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Studienkonten, oder: ein weiteres Bürokratenmonster erscheint am Horizont
Daß Studienkonten schlichtweg
Langzeitstudiengebühren unter einem anderen Namen verpacken, ist ja inzwischen hinlänglich bekannt. Daß sie zu einem Schmalspurstudium führen und schlichtweg die Studienfreiheit jedes einzelnen massiv einschränken werden, ist
einleuchtend. Daß sie zu weiteren sozialen Härten führen und trotz aller Beteuerungen gerade Schulabgänger aus Familien mit niedrigem und mittlerem Einkommen wieder stärker vom Studium abschrecken werden und daß die Steigerung
der BAföG-Sätze durch die BAföG Reform dieses Problem in keinster Weise beheben kann, ist klar. Wie sieht es aber mit der technischen Seite, der Durchführung in der Praxis, aus? Ein problemloses Einführen ist
illusiorisch. Sollte sich die Landesregierung wirklich zu dem Schritt der Einführung in dem bisher skizzierten Rahmen entschließen, dann droht den Hochschulen des Landes eine Kostenlawine. Geld wird in die Verwaltung zum Aufbau
eines großen bürokratischen Apparates fließen, das an anderer Stelle den Unis für Professorenstellen fehlt. Und das Ganze bei zweifelhaften Erfolgsaussichten, die in keinem Verhältnis zum Mitteleinsatz stehen. Die Uni hat diese
Gefahr erkannt, weswegen der Senat sich einstimmig (!!), also mit den Stimmen der Befürworter von Studiengebühren, gegen das Modell ausgesprochen hat. Im Einzelnen bedeutet die Einführung eines Studienkontenmodells ohne
Regelabbuchung folgendes: Jeder Student erhält ein Kontingent an Semesterwochenstunden für sein Studium. Dieses Kontingent wird durch den Besuch von Vorlesungen abgebucht. Die Frage ist hier: Wer will kontrollieren, wann
welcher Student wo in welcher Vorlesung war? Soll der Dozent die Anwesenheit aller Studenten auf einer Liste festhalten? Müssen diese dafür ihren Ausweis vorlegen? Vergeht erst einmal eine Viertelstunde mit Formalia? In
Vorlesungen mit einigen hundert Hörerinnen und Hörern wohl schwer vorstellbar. Zudem müssten die Daten auch erfasst werden. Da werden sich wohl die Zeitarbeitsfirmen nach Ende des Semesters freuen und die Studis dürfen als
HiWis der Uni ihre eigene Anwesenheit feststellen. Die Alternative wäre ein EDV gestütztes System mit Chipkarten. Jeder Dozent würde einen kleinen Apparat zur Vorlesung mitnehmen. Der gemeine Studi müsste seine Chipkarte in
eben diesen Apparat stecken und bekommt die Vorlesung automatisch von seinem Konto abgebucht. Nur darf der Raum vom Studi nicht vor dem Dozenten betreten werden.
Auch hier nimmt die Formalia Zeit in Anspruch. Und was ist, wenn der Apparat vom Prof mal vergessen wird oder einen technischen Defekt hat? Davon abgesehen würde die Einführung eines solchen EDV-Systems durch die
Entwicklung der Software und den Kauf der technischen Ausstattung für die einigen tausend Veranstaltungen Unsummen verschlingen. Dieses Geld fehlt dann im Bildungsetat, oder vielmehr im Haushalt der Hochschule. Es wird für die
Verwaltung ausgegeben, und nicht für die Lehre. Verwaltungsaufwand entsteht auch bei Studienortwechslern. Wie will man nachprüfen, was ein Student in einem anderen Bundesland bereits von seinem Konto „verstudiert“ hat? Nur
NRW und Rheinland-Pfalz planen die gleiche Einführung. Bei anderen Ländern dürfte der Nachprüfungsaufwand immens werden. Sollte jemand auf die glorreiche Idee eines Studienfachwechsels kommen, sollte er sich beeilen. Dies
dürfte nur innerhalb des ersten Semesters sinnvoll sein. Wie ermittelt man überhaupt das Anfangsguthaben auf dem Konto des Studierenden? Kriegt jedes Studienfach ein eigenes Kontingent? Dies dürfte bei der großen Zahl
von Magisterstudiengängen und Nebenfächlern illusorisch sein. Also doch ein Generalguthaben und alle über einen Kamm geschert? Wie ihr seht, ist die Anzahl der Krücken dieses Modells fast unendlich. Rausgegriffen wurden hier
nur die wichtigsten. Aber undurchführbar bleibt das Modell trotzdem. Bleibt nur zu hoffen, dass das auch das Bildungsministerium erkennt. Der AStA plant im Sommersemester verschiedene Veranstaltungen zu dem Thema. So soll
es eine Vollversammlung geben, auf der Verantwortliche Rede und Antwort stehen sollen. Die Gelegenheit, endlich Details zu erfahren. Denn selbige ist uns das Ministerium bisher schuldig geblieben. Machen wir also der
Landesregierung einen heißen Sommer.
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